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Landwirt Benedikt Bösel kniet in einem Feld und hält fruchtbare Erde in seinen Händen

Benedikt Bösel: Landwirt 3.0

Benedikt Bösel ist nicht das, was man sich unter einem typischen Landwirt vorstellt: Der studierte Wirtschaftsmathematiker und ehemalige Investmentbanker ist Vorreiter für die Landwirtschaft der Zukunft. Für das außergewöhnliche Betriebskonzept auf seinen 1.000 Hektar Ackerland und 2.000 Hektar Waldflächen an einem der trockensten Standorte Deutschlands wurde er letztes Jahr mit dem Ceres Award für besondere Leistungen in der Landwirtschaft ausgezeichnet.

Text: Maria Nowotnick | Foto: Emanuel Finckenstein

„Die Landwirtschaft steht vor einer Renaissance.“ Davon ist Benedikt Bösel überzeugt. Nach zehn Jahren in der Finanzindustrie kehrte er zurück zu seinen Wurzeln in Ost-Brandenburg und stellte kurz nach der Übernahme des elterlichen Betriebs im trocken-sandigen Brandenburg im Dürrejahr 2018 fest, dass dieser nur mit tiefgreifenden Veränderungen eine Zukunft haben wird.

Er suchte weltweit nach Pionieren der Landwirtschaft und entwickelte ein innovatives Konzept, bei dem Wissenschaft, multifunktionale Landnutzung und Bodengesundheit im Mittelpunkt stehen und für das er zum Landwirt des Jahres 2022 gekürt wurde. Die Auszeichnung hat er stellvertretend für sein Team und die Arbeit aller Landwirte angenommen, denn diese müssten „grundsätzlich viel mehr gefeiert und einbezogen werden“, so Bösel.

Vom Banker zum Bauern

Seit 2016 lebt Bösel mit seinen Eltern, zwei Schwestern und der eigenen kleinen Familie in Alt Madlitz in Brandenburg unweit der Grenze zu Polen, wo die Familie seit 1751 in der Landwirtschaft verwurzelt ist. Und auch er ist hier zu Hause: „Nach der Wende habe ich all meine freien Tage in Madlitz verbracht. Mit 13 bin ich aufs Internat gekommen und dann alle paar Jahre umgezogen. Das Einzige, was stets blieb, war Madlitz und ist deshalb mehr meine Heimat als alles andere.“ Auf dem Jakobsweg kam er auf die Idee, sein Leben umzukrempeln und stellte in einem Moment der Selbstfindung fest: Es ist jetzt die Zeit für ihn gekommen, die Verantwortung zu Hause zu übernehmen.

Der ehemalige LPG-Betrieb (Landwirtschaftliche Produktionsgenossenschaften waren das Agrarsystem in der DDR) heißt heute Gut&Bösel und präsentiert sich jung, modern und aufgeschlossen. Bösel ist auch Geschäftsführer einer Stiftung, in der er gemeinsam mit einem achtköpfigen Team Wissen über regenerative, ökologische Landnutzungsformen sammelt und entwickelt, wozu Kompostierung, ganzheitliches Weidemanagement, Waldumbau und vieles mehr gehört. Das Ziel ist es, dieses Wissen einer breiten Öffentlichkeit zur Verfügung zu stellen und über die erhobenen Daten zu zeigen, dass diese Methoden für mehr Profitabilität sorgen können während externe Kosten vermieden werden.

Die Notwendigkeit hierfür liegt auf der Hand: Verschlechterung der Bodenqualität, Verlust der Biodiversität, Klimawandel, Extremwetterereignisse – um nur einige Aspekte zu nennen, die zeigen, in welchen Krisen wir stecken. Genau dagegen möchte Benedikt Bösel angehen: „Die Landnutzung ist global der mit Abstand größte Hebel, um die großen Probleme unserer Zeit zu lösen. Heute reden wir zu viel über Primärproduktion und ignorieren damit zum Beispiel den Bodenverlust: Der gesunde Boden sorgt für gesunde Menschen! Wenn wir das verstehen, können wir auch die richtigen Technologien entwickeln und die Ernährungs- und Landwirtschaftspolitik dahingehend verändern. Wir stehen gerade vor einem Riesenumbruch. Ich glaube, wenn wir die richtigen Fragen stellen, können wir auch auf die richtigen Antworten hoffen.“  (…) Mehr

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