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nüchtern.berlin: Was trinke ich, wenn ich nicht trinke?

Isabella Steiner, Gründerin von nüchtern.berlin, ist Vorreiterin des Trends „Mindful Drinking“. Mit einer Fülle von alkoholfreien Alternativen zu Wein, Sekt, Bier und mehr bietet sie eine vielfältige Auswahl in ihrem Späti in Berlin und spricht Erwachsene an, die bewusster mit ihrem Alkoholkonsum umgehen möchten – was nicht nur gesundheitliche Vorteile für den Einzelnen mit sich bringt, sondern auch eine neue Lebensphilosophie in die Gesellschaft.

Text: Maria Nowotnick | Foto: Jaclyn Locke

Alkohol zu trinken, gehört in weiten Teilen unserer Gesellschaft zum guten Ton, ein alkoholisches Getränk abzulehnen, erscheint den meisten unhöflich oder unangemessen. Dabei sind die Zahlen nicht schönzureden: 7,9 Millionen Menschen der 18- bis 64-Jährigen in Deutschland konsumieren Alkohol in gesundheitlich riskanter Form. Alkoholmissbrauch ist einer der wesentlichen Risikofaktoren für zahlreiche chronische Erkrankungen und für Unfälle; jährlich sterben etwa 20.000 Menschen an Alkoholkonsum. Durchschnittlich werden hierzulande pro Kopf jährlich rund zehn Liter reiner Alkohol getrunken, und auch wenn eine leicht rückläufige Tendenz im Konsum zu registrieren ist, liegt Deutschland im internationalen Vergleich unverändert im oberen Zehntel.

Nein zum Alkohol zu sagen, ist schwer, die alkoholfreien Alternativen in Restaurants sind oft begrenzt. Die Soziologin Isabella Steiner, Gründerin und Geschäftsführerin von nüchtern. berlin, möchte das ändern, mit einer großen Auswahl von alkoholfreien Alternativen zu Wein, Sekt, Bier, Gin oder Rum und mit einem besseren Verständnis davon, wie viel wir eigentlich trinken und wie wir dahingehend bewusster werden können –Mindful Drinking, so ihre Devise.

Ich treffe Isabella Steiner in ihrem Geschäft, das sie als ersten alkoholfreien Späti Berlins bezeichnet. nüchtern.berlin ist im trendigen Bergmannkiez gelegen. Dass sich ihr Laden von Spirituosenhandlungen unterscheidet, wird schon deutlich, wenn man vor der Tür steht: „Berlin ist dicht. Wir nicht“ steht am Fenster „0%“-Fahnen wehen im Wind. „Endlich alkoholfrei. Weißwein, Rosé, Rotwein, Sekt, Bier, Aperitifs, Gin, Whiskey, Rum, Wermut und mehr“ – der Aufsteller vorm Eingang macht klar, was sich im Inneren finden lässt. Dekorativ angerichtet stehen Flaschen und Gläser, über ihnen eine Leuchtbox mit dem Slogan „No Kater Zone ♥“. Die alkoholfreien Weine kosten im Schnitt zwischen 10 und 15 Euro, ein alkoholfreier Rum auch schon mal über 30 Euro. Isabella Steiner empfängt mich in ihrem Lager mit vielen leeren, für den Online- Handel präparierten Kartons und fragt, was ich trinken möchte. Ich entscheide mich für einen alkoholfreien Spritz.

Ja zur alkoholfreien Alternative
Der Laden läuft, immer wieder kommen interessierte Kunden herein, können direkt verkosten, lassen sich beraten und von den alkoholfreien Alternativen überzeugen – oder sind es längst und holen Nachschub oder Geschenke für ihre Freunde. „Unsere Kundschaft ist super variabel. Von 18 bis 100 ist alles dabei, wir verstehen uns aber als Erwachsenengeschäft und verkaufen keinen alkoholfreien Gin an Kinder.“ In Hamburg gibt es außerdem eine Filiale, eine weitere ist für dieses Jahr noch geplant, und vor allem das Online-Geschäft mit den alkoholfreien Alternativen boomt. „Wir vom Team nüchtern.berlin sind weder dogmatisch, noch predigen wir irgendwas: Es geht nicht ums Nein zum Alkohol, sondern ums Ja zu alkoholfrei“, hält Isabella Steiner fest. „Ich bin im Herzen Soziologin und liebe es, Themen aus verschiedenen Blickwinkeln zu diskutieren.“ 

So also auch Mindful Drinking, ein Trend, der inzwischen in vielen Ländern Verbreitung gefunden hat und – wie so viele andere – aus dem englischsprachigen Raum kommt. „In den Bereichen Beauty und Health sind uns UK und die USA einfach voraus“, fügt Isabella Steiner an. Bereits 2017 hat sie beobachtet, dass der Trend des bewussten Alkoholgenusses in diesen Ländern im Kommen war. (…)

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