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Jobcouch: Die Zukunfstforscherin Lena Papasabbas

Zukunft ist nichts, was einfach passiert – sie entsteht aus dem, was wir heute denken, fühlen und tun. Lena Papasabbas, Kulturanthropologin, Philosophin und Zukunftsforscherin, ist Teil von The Future:Project, dem Thinktank rund um Matthias Horx. Im Interview spricht sie mit uns über innere Entwicklung, neue Zukunftsbilder und die Kraft radikaler Zuversicht.

Interview: Stefanie Hammer | Foto: Sabine Klimpt

Wie wird man eigentlich Zukunftsforscherin?

Da gibt es keinen festen Weg. Man kann das studieren – ich habe es aber nicht gemacht. Ich habe Philosophie und Kulturanthropologie studiert, also im Grunde Gegenwartsforschung. Man versucht, die eigene Kultur möglichst gut zu verstehen. Von da ist es gar nicht mehr weit zur Zukunftsforschung: Auch wir haben nur die Gegenwart zur Verfügung und entwickeln daraus Modelle, um zu überlegen, wie sich die Gesellschaft weiterentwickeln könnte. Das hat mich schon immer interessiert – so bin ich zur Zukunftsforschung gekommen.

Du arbeitest bei Future:Project. Was genau macht ihr dort?

Wir sind ein relativ junges Unternehmen, haben aber alle schon vorher in der Zukunftsforschung gearbeitet. Uns ging es bei der Gründung darum, wegzukommen von dem klassischen Ansatz, die Zukunft vorhersagen zu wollen – diese Prognoseidee funktioniert in der Praxis eigentlich nie.

Stattdessen konzentrieren wir uns auf die Frage, wie Transformation gelingt – und zwar in eine gute Zukunft. Von all den möglichen Zukunftsszenarien interessieren uns vor allem die wünschenswerten. Dabei unterstützen wir Unternehmen, die aktiv daran arbeiten wollen, Zukunft zu gestalten. Das ist unser Fokus.

Wenn du fünf Jahre vorausblickst, wie könnte unsere Welt dann aussehen, technologisch, gesellschaftlich oder auch auf der menschlichen Ebene?

In fünf Jahren werden wir überrascht sein, wie viel auch einfach bleibt. Wenn wir an die Zukunft denken, denken wir oft an Neues – dabei führen wir vieles weiter, was sich bewährt hat, und entdecken manches neu, was eigentlich schon alt ist. Gleichzeitig unterschätzen wir, wie viel Neues entstehen wird – gerade technologisch. Ein großes Missverständnis ist aber, dass Zukunft vor allem Technologie bedeutet. Ein großer Teil ist soziale Innovation und gesellschaftliche Weiterentwicklung.

Ein sehr wichtiger Trend ist aus meiner Sicht, dass viele Menschen stärker nach innen schauen und sich weiterentwickeln. Das kündigt sich schon lange an, manifestiert sich aber jetzt deutlicher. Bewegungen wie die Inner Development Goals professionalisieren das sogar. Viele beschäftigen sich – auch aus einer gewissen Frustration mit der Außenwelt – mit der Frage: Was ist in mir angelegt? Welche Potenziale habe ich? Und wie gehe ich damit wieder nach außen? Diese Entwicklung, zusammen mit Themen wie Achtsamkeit, Meditation oder Coaching, wird gesellschaftlich eine prägende Rolle spielen.

Auf eurer Website findet man ein Future-System-Poster. Es zeigt die Zusammenhänge der Transformation mit den Megatrends und allen Subtrends. Welche sind das?

Kurz zur Einordnung: Das Future-System ist eine Weiterentwicklung der Megatrend-Map. Früher hat man Megatrends als lineare Bewegungen verstanden – etwa Globalisierung oder Digitalisierung. Heute sehen wir, dass viele dieser Trends ins Straucheln geraten und sich Gegentrends bilden. In diesem Spannungsfeld findet Transformation statt – und genau das macht das Future System sichtbar: wie sich große Bewegungen aufsplitten und weiterentwickeln.

Ein Beispiel ist Globalisierung. Sie hat lange für immer mehr Vernetzung und Standardisierung gesorgt. Gleichzeitig sehen wir heute Gegentrends wie Nationalismus oder eine stärkere Hinwendung zum Lokalen. Menschen definieren ihre Identität wieder stärker über ihre Region oder ihre Stadt. Die eigentliche Transformation entsteht oft aus der Verbindung von Trend und Gegentrend. Das nennen wir „Glocalization“ – das Zusammenspiel von globaler Vernetzung und lokaler Verankerung.

Wir durften 2017 bereits ein Interview mit Matthias und Oona Horx führen. Damals war der Megatrend Achtsamkeit. Kannst du dazu etwas sagen – was hat sich da seitdem entwickelt und wo steht der Trend heute?

Trends nennt man ja oft Dinge, die neu aufkommen. Bei Achtsamkeit ist es aber so, dass sie inzwischen ein etablierter Teil unserer Kultur geworden ist. Der Trend bewegt sich weg von diesem reinen Lifestyle-Charakter und ist im Mainstream angekommen.

Ich würde sagen, er reift gerade und entwickelt sich weiter in Richtung Institutionalisierung. Man sieht das zum Beispiel an Programmen zur Stressreduktion bei Krankenkassen oder an Initiativen wie den Inner Development Goals, auch in der Wirtschaft.

Es geht also über dieses Oberflächenphänomen hinaus. Achtsamkeit wird zunehmend zu einer kulturellen Kraft und ist nicht mehr nur ein individuelles Lifestyle-Thema.

Wie können wir einflussreiche politische und wirtschaftliche Akteure für die Werte einer lebenswerten Zukunft gewinnen?

Das ist eine große Frage – und ich habe darauf keine einfache Antwort. Was uns als Gesellschaft fehlt, ist ein positives, kollektiv geteiltes Zukunftsbild. In diesem Vakuum entsteht Unsicherheit. Andere Systeme haben hier klarere Vorstellungen davon, wohin es gehen soll. In demokratischen Gesellschaften fehlt das oft. Gleichzeitig erleben viele Menschen, dass Dinge nicht mehr so stabil sind wie früher. Selbst kleine Verschlechterungen erzeugen schnell Zukunftsangst – weil wir immer relativ wahrnehmen.

In diesem Zustand schauen viele zurück und suchen Lösungen in der Vergangenheit. Aber das funktioniert nicht. Die Herausforderungen von heute lassen sich nicht mit den Antworten von gestern lösen. Deshalb brauchen wir dringend neue, positive Zukunftsbilder. Wir müssten viel stärker lernen, uns vorzustellen, wie wir leben wollen – individuell und als Gesellschaft. Diese Fähigkeit wird bei uns kaum gefördert. Stattdessen bewegen wir uns oft ohne klare Richtung durch Krisen. Und gleichzeitig haben wir in Deutschland eine sehr ausgeprägte Meckerkultur. Dieses ständige Kritisieren verstärkt die negative Sicht auf die Zukunft – und hält uns in einer passiven Haltung fest.

Die kurze Antwort: Wir brauchen wieder mehr gemeinsame, lebenswerte Vorstellungen von der Zukunft – und eine Haltung, die nicht im Meckern stecken bleibt. (…) Mehr

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