Moment by Moment

Eine Frau joggt am Strand. Der Morgenhimmel und eine Felsformation im Hintergrund spiegeln sich im Wasser

Ausdauer

Oft fehlt uns die Ausdauer, ganz gleich ob bei der Meditation oder im Sport. Doch Ausdauer kann und will erlernt und vor allem trainiert werden. Dabei hilft es enorm, einen genauen Blick auf die eigene Motivation zu werfen und mit Geduld und Freundlichkeit – vor allem uns selbst gegenüber – voranzuschreiten.

Text: Christiane Wolf

Die Tatsache, dass du begonnen hast diesen Artikel zu lesen, in einer Zeitschrift über Achtsamkeit, lässt mich vermuten, dass du dich vielleicht fragst, wie du mehr Ausdauer oder Durchhaltevermögen in deiner Meditationspraxis entwickeln kannst. Oder auch sonst im Leben. Wie oft höre ich die Frage, wie man eine tägliche Meditationspraxis aufrechterhalten kann! Ich meditiere seit über 20 Jahren mehr oder weniger jeden Tag. Ich trainiere für Triathlons, laufe Marathons und seit Kurzem sogar Ultramarathons. Bei dir sieht Ausdauer vielleicht anders aus. Vielleicht spielst du ein Instrument oder rufst jede Woche deine Mutter an. Was ist denn Ausdauer? Der Begriff wird vor allem viel im Sport benutzt. Dort wird sie als die Widerstandsfähigkeit eines Organismus gegen Ermüdung und seine schnelle Regenerationsfähigkeit nach einer Belastung definiert. Auch im Sport ist Ausdauer nicht nur Physiologie, es wird auch viel Wert auf mentales Durchhaltevermögen gelegt. Jedem Langstreckenläufer ist klar, dass ein Lauf, der über viele Stunden geht, auch mentale Höhen und Tiefen hat, die genauso überwunden werden müssen wie die tatsächlichen Berge. Körperliche wie mentale Ausdauer können trainiert werden.

Ausdauer steigern

Wie habe ich mich von der entschiedenen Nichtläuferin in eine Ultramarathonläuferin verwandelt? Nun, dieser Prozess hat ungefähr 25 Jahre gedauert. Da sind wir wieder beim „steten Tropfen“. Ich habe nicht mit dem Ziel begonnen, später mal Ultras zu laufen. Damals wusste ich nicht einmal von deren Existenz. Ich wollte einfach Sport machen. Einen, der unkompliziert war und für den ich weder eine Gerätschaft noch eine Mitgliedschaft, noch Fahrzeit auf mich nehmen musste. Da ich zu Beginn nicht mal eine Minute laufen konnte, ohne aus der Puste zu geraten, habe ich folgendermaßen angefangen: Eine Minute (oder waren es nur 30 Sekunden?) ganz langsam traben, eine Minute gehen. Mit dieser Herangehensweise konnte ich auch gleich einen sehr vertrauten Feind der Ausdauer umschiffen, nämlich die motivationsgetriebene Überforderung. Die widerfährt uns, wenn wir durch etwas eine Motivationsspritze bekommen – z.B. einen Dokumentarfilm, einen Besuch von der fitten Freundin oder Neujahr – und uns dadurch mit einem Mal so anstrengen, das wir danach so von Muskelkater und Müdigkeit geplagt sind, dass wir das Unternehmen so schnell nicht wiederholen. Mit der Zeit konnte ich länger und schneller laufen, ohne mich so zu verausgaben (ich mag mich nach wie vor nicht so wirklich stark anstrengen, sondern bewege mich bis heute lieber überwiegend nach dem Motto „Leicht und locker“). Nach ein paar Jahren fing ich an, hin und wieder an Zehnkilometerrennen und Halbmarathons teilzunehmen. Dabei stellte ich fest, dass während des Trainings für einen Halbmarathon ein Fünf- oder Zehnkilometerrennen auf einmal leicht wurde. Ebenso ein Halbmarathon, wenn ich für einen Marathon trainierte. Und da ich unter der Woche nur kurze Strecken laufe, wurden diese viel einfacher. Ähnliches bemerkte ich mit dem Meditieren nach einem Stilletag oder einer Woche Schweigeretreat. Denn was sind schon eine halbe Stunde oder 45 Minuten nach acht Stunden Meditation pro Tag?

Motivation – ein kapriziöser Lover

Ein Freund von mir hat auf ähnliche Weise zu meditieren begonnen. Als Rechtsanwalt mit überaktivem Gehirn und unfähig, auch nur fünf Minuten stillzusitzen, war er trotzdem von der Idee, zu meditieren und eine friedvolle Innenschau zu halten, fasziniert. Er begann, täglich eine Minute lang zu meditieren. Mehr nicht, aber auch nicht weniger. Das war zu Beginn alles, was er ertragen konnte. Aus einer Minute wurden zwei, daraus drei, und über viele Monate und Jahre lernte er, lange still in Meditation zu sitzen – und darin Freude und Erfüllung zu finden. Das ist der sprichwörtliche stete Tropfen, der den Stein höhlt. Je schwieriger ein Verhalten ist, umso mehr Motivation brauchen wir. (…) Mehr

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Dieser Artikel stammt aus der Frühjahrs-Ausgabe 01/2021: Never Give Up. Mit Mut, Hingabe und Selbstvertrauen den eigenen Weg gehen.

„Das Problem ist, dass Motivation nicht zuverlässig ist. Sie ist eher wie ein kapriziöser Lover: Man weiß nie so genau, ob er auftauchen wird, und wenn ja, wie dann seine Laune ist.”

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