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Moment by Moment

Gert Scobel im Gespräch mit Stefanie Hammer

10 Jahre moment by moment
Yes you can!

Mutig sein heißt nicht, keine Angst zu haben. Sondern trotz Unsicherheit und Nichtwissen den nächsten Schritt zu wagen. Im Gespräch mit Gert Scobel blickt die moment by moment -Gründerin Stefanie Hammer zum Jubiläum auf zehn bewegte Jahre zurück. Sie spricht über Vertrauen und innere Kraft, über Sinn, Freiheit und Dankbarkeit – und darüber, den eigenen Weg zu erkennen, ihm zu vertrauen und immer wieder neu den Mut zu finden, ihn weiterzugehen.

Interview: Gert Scobel | Foto: Living Moments Photography & Florafoto Ira Hilger

Was hat dich dazu gebracht, dich für Buddhismus und Meditation zu interessieren?

Die Wurzeln dafür reichen weit in meine Lebensgeschichte zurück. Alles begann schon während meiner Schulzeit. Damals bin ich zum ersten Mal mit Meditation und buddhistischer Praxis in Berührung gekommen. Das hat mich sehr angesprochen. Nach dem Abitur habe ich Medien- und Kommunikationswirtschaft sowie Journalismus studiert. Schon damals hatte ich den Wunsch, diese beiden Interessen miteinander zu verbinden: Meditation und das Verlagswesen. Das ist bis heute der rote Faden in meinem Leben.

Während meines Studiums geriet ich in eine tiefgreifende gesundheitliche Krise. Mir wurde geraten, mich einer medizinischen Behandlung zu unterziehen. Gleichzeitig hatte ich in mir ein tiefes Vertrauen, dass mir Meditation helfen würde – und nicht ein Klinikaufenthalt –, um aus dieser Krise herauszufinden.

Ich habe mein Studium erfolgreich beendet und hatte bei Abschluss des Studiums bereits einen attraktiven Arbeitsvertrag bei einer Unternehmensberatung unterschrieben. Sie wollten mich unbedingt, und so habe ich ausgehandelt, dort erst nach einer einjährigen Auszeit und Asienreise anzufangen. In diesem Jahr verbrachte ich die meiste Zeit in Klöstern in Thailand und Malaysia. In Indien war ich auf Pilgerreise, darauf folgte die Schweiz, das Kloster Dhammapala, und später Kalifornien. Diese Auszeit war für mich sehr bedeutsam: Dank der Retreat- und Meditationserfahrungen konnte ich meine gesundheitliche Krise überwinden, und auch beruflich richtete ich mich neu aus.

Was ich daran bemerkenswert finde, sind zwei Dinge. Zum einen wirkt die Kombination aus Meditation und Medien zunächst fast gegenläufig: Das eine eher introvertiert, das andere extrovertiert. Und woher kam deine Sicherheit, dass Meditation helfen könnte? Zu jener Zeit war das ja noch längst nicht so verbreitet wie heute.

Das sind tatsächlich zwei Pole. Ich würde sagen, dass ich eher ein extrovertierter und kommunikativer Mensch bin. Meine eigentliche Kraft schöpfe ich aus der Stille – aus Naturerlebnissen und im Austausch mit Menschen. Aktiv in der Natur zu sein, mich dort zu bewegen, gibt mir sehr viel Kraft. Die Meditationspraxis, das Sitzen als formelle Praxis, ist die Basis dafür, diesen beruflichen Weg überhaupt gehen zu können.

Werbung, Marketing und Kommunikation waren wesentliche Bestandteile meines Studiums. Ich habe mich damals öfter gefragt, ob ich in diesem Bereich arbeiten möchte. Gleichzeitig wurde mir immer klarer, dass ich Meditation, Achtsamkeit und Menschlichkeit in die Welt bringen möchte. Und zwar auf eine Weise, die dem Zeitgeist entspricht: auf einem ästhetisch und journalistisch hohen Niveau, sodass auch Menschen erreicht werden, die sich sonst vielleicht nicht mit diesen Themen beschäftigen.

Weißt du noch, welche Fragen dich damals beschäftigt haben – bevor du nach Asien gegangen bist? Und welche waren es, als du zurückgekommen bist?

Bevor ich nach Asien gegangen bin, habe ich sogar mit dem Gedanken gespielt, Nonne zu werden. Ich fühlte mich der Theravada-Tradition, insbesondere der Ajahn-Chah-Linie, sehr verbunden und habe dort intensiv praktiziert. Ich konnte mir dieses Leben durchaus vorstellen. Während meines Asienaufenthalts pilgerte ich mit der Ehrwürdigen Bhikkhuni Kusuma – einer Pionierin der Nonnenordination – durch Indien. Mein Wunsch war, tief in die Praxis einzutauchen. Ich konnte mir vorstellen, ein oder mehrere Jahre ausschließlich im Retreat zu verbringen – mich ganz der Meditation zu widmen und herauszufinden, was passiert, wenn man sich nur der Praxis widmet.

Das war ein starker innerer Antrieb. Während meines Studiums hatte ich bereits erlebt, wie mir Meditation geholfen hat – unter anderem mit Unsicherheiten und Ängsten. Durch die Meditation habe ich die Zuversicht und Gelassenheit gefunden, mich solchen Herausforderungen zu stellen. Das waren die ersten Erfahrungen, die mein Vertrauen in meine Meditationspraxis gestärkt haben.

Trotzdem bist du ja ohne große Vorbereitung kopfüber nach Asien gesprungen. Und später war auch die Gründung der Zeitschrift ein ähnliches Risiko. Wie erklärst du dir diese Fähigkeit, trotz solcher Risiken diesen Schritt zu gehen? Etwas zu tun, das andere wahrscheinlich als leichtsinnig oder sogar als verrückt bezeichnet hätten.

Ja, oder als ver-rückt – das stimmt. Während meines Studiums war die Situation allerdings etwas anders. Durch die Sicherheit des bestehenden Arbeitsvertrags war das Risiko für mich überschaubar. Erst während meiner Zeit in Kalifornien wurde mir klar, dass ich diesen Berufsweg nicht mehr einschlagen wollte. Stattdessen habe ich die Leitung des Jhana-Verlags der renommierten buddhistischen Nonne Ayya Khema angenommen. Ich habe ganz bewusst diese neue Richtung eingeschlagen. Das fühlte sich damals überhaupt nicht wie eine Option unter vielen an. Es ging gar nicht anders.

Die Gründung von moment by moment fand zeitlich rund 20 Jahre später statt: Im Oktober 2016 erschien die erste Ausgabe, aber innerlich hatte mich dieses Projekt schon lange umgetrieben. Ich hatte 2007 gemeinsam mit zwei Verlegern ein Magazin gegründet und aufgebaut, das inhaltlich allerdings nicht meinen Vorstellungen entsprach. Durch die Meditationspraxis und den Kontakt mit Jon Kabat-Zinn sowie dem Achtsamkeitsinstitut, das ich damals mit aufgebaut und organisiert habe, entstand in mir immer stärker der Wunsch nach einem hochwertigen, nachhaltigen Achtsamkeitsmagazin, das Menschen dabei begleitet, Meditation und Mitgefühl in ihren Alltag zu integrieren.

Es war dieser innere Ruf. Ich kannte meine Fähigkeiten. Ich hatte bereits fünf Jahre Magazinerfahrung und eine klare Vorstellung davon, wie mein eigenes Heft aussehen sollte. Dieser Wunsch wurde irgendwann so stark, dass ich nicht mehr zurückkonnte. In dieser Zeit habe ich kaum jemandem davon erzählt. Ich habe das Konzept im stillen Kämmerlein entwickelt – es waren fünf Menschen, die von meinem Vorhaben wussten. Irgendwann habe ich gesagt: Jetzt setze ich alles auf diese Karte. Zu dieser Zeit war ich alleinerziehende Mutter einer zweieinhalbjährigen Tochter. Ich habe meine angesparte Altersvorsorge aufgelöst, einen Gründerkredit bei der Bank aufgenommen und mit finanziell sehr begrenzten Mitteln beschlossen: Selbst wenn nur eine einzige Ausgabe erscheint, möchte ich wenigstens einmal erleben, wie es ist, genau das Magazin zu machen, das ich mir immer vorgestellt habe.

Wie kam damals der Kontakt zu Jon Kabat-Zinn zustande?

Der Verleger Lienhard Valentin, mit dem ich damals wie auch heute freundschaftlich verbunden bin, rief mich im Frühling 2006 an und sagte: „Wir bringen das neue Buch von Jon Kabat-Zinn heraus“ – Coming to Our Senses, Zur Besinnung kommen. Er erzählte mir, dass er eine Lesereise plane, und fragte, ob ich Jon als Assistentin begleiten und fahren könnte. Ich habe sofort zugesagt. So waren Jon und ich quer durch Deutschland unterwegs. Seit dieser Zeit sind wir freundschaftlich verbunden und ich bin regelmäßig auf Retreats mit ihm. Er ist eine große Inspirationsquelle für mich und meine Praxis.

Während unseres Roadtrips war ich bereits Schülerin des tibetischen Meditationsmeisters Chökyi Nyima Rinpoche, den Jon ebenfalls sehr schätzt. Während dieser Reise entstand die Idee, einen Kongress für Chökyi Nyima Rinpoche in Köln zu veranstalten. Er hatte gerade das Buch Medizin und Mitgefühl herausgebracht. Ich konnte Jon dafür gewinnen, und 2007 wurde er neben Daniel Siegel und Daniel Goleman einer der Hauptredner auf dem Kongress Medizin, Achtsamkeit und Mitgefühl. Deshalb war es für mich eine große Freude, dass Jon für meine zweite Ausgabe zusagte, ein Interview und ein Fotoshooting für das Cover zu realisieren.

Ich würde gerne noch einmal auf deinen Lebensweg zurückkommen. Was dabei immer wieder auffällt: Du planst und verwirklichst Dinge, die einerseits eine lange innere Vorbereitung haben, andererseits durchaus risikobehaftet sind. Mit dieser neuen Ausgabe möchtest du nicht nur den zehnten Geburtstag feiern. Du willst vielmehr über die Kräfte sprechen, die uns durchs Leben tragen. Dazu gehören Sinnhaftigkeit, die Frage, ob die Suche allein genügt oder ob man Sinn schon gefunden haben muss, um solche Sprünge zu wagen, sowie Mut, Vertrauen, Ausdauer, Wegbegleiter und schließlich Dankbarkeit. Das klingt wunderbar. Aber wie kommt man dorthin? Wenn ich selbst vor einer risikoreichen Entscheidung stehe, voller Angst und Sorgen – wie komme ich an diesen Punkt?

Es ist nicht so, dass das leicht wäre oder mir diese Entscheidungen leicht von der Hand gegangen wären. Und sicher nicht so, dass ich keine schlaflosen Nächte hatte – oder heute keine mehr hätte. Ich habe mich im Vorfeld dieser Jubiläumsausgabe intensiv mit dieser Frage beschäftigt. Wie du schon sagst: Es geht mir nicht darum, einfach zehn Jahre moment by moment zu feiern. Ich erzähle meine eigene Geschichte – nicht, weil sie etwas Besonderes wäre, sondern weil ich hoffe, dass Menschen dadurch angeregt werden, auf ihre eigene Geschichte zu schauen: Wo stehe ich? Was möchte ich wirklich? Was trägt mich?

Für mich ist im Laufe der Jahre immer deutlicher geworden, dass es mein Vertrauen in etwas Größeres als mich selbst ist, das mich trägt. Dieses Gefühl, eingebunden zu sein in ein größeres Ganzes, in ein Netz, dem wir alle zugehörig sind und das uns trägt. Natürlich falle ich auch immer wieder aus diesem Grundvertrauen heraus. Aber wenn ich wieder in Verbindung damit komme – besonders durch die Meditation, indem ich zu meinem inneren Kern zurückfinde –, verlieren Angst, das mögliche Scheitern, das Nichtwissen oder auch der Sprung ins Unbekannte ihre Macht. Sie verschwinden nicht. Aber sie sind nicht mehr so groß, dass sie mich davon abhalten könnten, den nächsten Schritt zu gehen.

Ich glaube, in mir gibt es eine Stimme, die immer wieder fragt: „Ist es stimmig, Stefanie? Wie fühlt es sich an? Ist es wirklich stimmig? Und wenn ja – warum? Oder: Warum nicht?“ Ich merke schnell, wenn etwas für mich nicht stimmig ist. Ich kann nicht lange in einer Situation bleiben, die sich innerlich nicht richtig anfühlt. (…) Mehr

Diese Leseprobe endet hier. Möchten Sie weiterlesen? Unsere Ausgabe „Yes you can! Mut finden. Dir vertrauen. Deinen Weg gehen“ können Sie bequem online bestellen.

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