Moment by Moment

Sabine Asgodom setzt sich eine Krone auf

Queensize leben

Als Journalistin, Trainerin und Unternehmerin hat Sabine Asgodom ihren eigenen Stil aus Gelassenheit und Humor entwickelt. Die Financial Times zählt sie zu den 101 wichtigsten Frauen der deutschen Wirtschaft, und für ihr soziales Engagement wurde sie 2010 mit dem Bundesverdienstkreuz ausgezeichnet. Wir sprechen mit ihr darüber, wie man ein solches Leben mit allen Höhen und Tiefen lebt und was sie Frauen rät, die auch ein Queensize-Leben anstreben.

Interview: Norbert Classen
Foto: Quirin Leppert

Unser Titelthema lautet: Never give up – Mit Mut, Selbstvertrauen und Hingabe den eigenen Weg gehen. Wie passt das zu Ihrer Arbeit und Lebensauffassung?

Das ist mein Lebensmotto. Ich habe mich ja mehrfach selbst neu erfunden. Zuerst war ich die brave Lehrerstochter aus Niedersachsen. Dann bin ich nach München gegangen, weiter ging’s nicht, und bin dort Journalistin geworden. Und dann habe ich genug vom Journalismus gehabt und habe angefangen, Bücher zu schreiben. Dann wurde ich Rednerin und Trainerin, war als Coach selbstständig und hatte ein für die Weiterbildungsbranche ziemlich großes Unternehmen. Dann kam Corona, und plötzlich habe ich wieder ein kleines Unternehmen. Ich glaube schon, dass das passt, dass ich mich immer wieder neu erfunden habe und ein Stehaufmännchen bin, das auch mal auf die Schnauze fällt. Ich habe auch Geld „verbrannt“ in Projekten. Aber ich habe es gemacht! Und das freut mich im Nachhinein. Ich habe vor 13 Jahren noch mal einen Mann kennengelernt, eine große Liebe, und Gott sei Dank haben wir zusammengearbeitet, vom ersten Tag an. Wir wussten ja nicht, dass uns nur so wenig Zeit verbleibt, er ist ja dement geworden. Aber ich bin so froh darüber, dass wir jeden Tag genossen haben, den wir bewusst miteinander verbracht haben. Und so haben wir, glaube ich, mehr Zeit miteinander verbracht als manch andere Paare bis zur Silberhochzeit. Deshalb ist das mein Motto: Mach! Tu! Schieb’s nicht auf!

Sie laden Menschen dazu ein, in ein Queensize-Leben zu finden. Das klingt erst einmal sehr pompös, prunkvoll und luxuriös. Was genau verstehen Sie darunter? Haben in diesem Queensize-Leben Mangel, Unsicherheit, Angst und Selbstzweifel überhaupt Platz? Und wenn ja, welchen?

Ein Ziel ist, dass die sich verdünnisieren. Das Ziel ist ein Leben in Luxus und Komfort, was nicht heißt, dass wir nur in goldenen Betten schlafen. Sondern für mich ist der Luxus, Selbstbewusstsein zu haben, und der Komfort ist, vorzugeben, wie ich leben möchte, und die anderen dazu zu bringen, sich danach zu richten. Also wissen, wer ich bin, wissen, was ich will, mich ausprobieren, mich verändern, nach wie vor – fertig ist keiner von uns. Sehen Sie, ich bin 67 und noch nicht fertig.

Fülle ist für Sie …?

… das Ziel. Ich erlebe das auch immer mal wieder in Coachings: Wenn ich mit Klientinnen und Klienten über Erfüllung im Beruf rede, dann fangen die Augen an zu leuchten.

Gab es Zeiten in Ihrem Leben, in denen Sie Ihr Selbstvertrauen und Ihr Mut verlassen haben?

Erst mal musste ich sie mir erobern, denn als junge Frau hatte ich kein Selbstvertrauen. Und im vorletzten Jahr, als mein Mann so krank wurde, ins Heim musste und ich hier allein saß – in einer kleineren Wohnung, denn die große konnte ich mir nicht mehr leisten –, da habe ich schon gekämpft. Ich sage mal ganz vorsichtig: Dass ich das letzte Jahr zu Hause sein durfte, war nicht falsch. Denn ich hätte nicht die großen Bühnen erobern wollen. In diesem Jahr habe ich mich erholt, und dann habe ich mir mit meinem Buch, das ich letztes Jahr geschrieben habe, das Selbstbewusstsein wieder zurückerarbeitet: Ich kann’s doch noch!

Glauben Sie, dass von unserer Gesellschaft gewünscht ist, Frauen in ihre eigene Kraft zu bringen?

Ja, ich glaube, dass das gewünscht wird, wenn sie es in Care-Arbeit stecken. Dass sie noch stärker werden und noch mehr schaffen, sich nicht beklagen und nichts fordern. In Unternehmen: ein klares Nein. Je länger ich mich damit beschäftige: Nein, Unternehmer, Männer in Unternehmen, wollen keine starken Frauen. Sie wollen, dass diese Frauen ihnen dienen, gerne auch in Positionen, aber sie wollen keine Chefin, sie wollen keine Kollegin auf gleicher Ebene, davon bin ich fest überzeugt. Das macht mich wahnsinnig, weil ich mich 40 Jahre dafür eingesetzt habe, aber ich bin inzwischen sehr desillusioniert. Ich habe jetzt als Coach mit einigen Frauen zu tun gehabt, die aus ihrem Unternehmen rausgemobbt oder rausgeschmissen worden waren, und zwar von jungen nachstrebenden Chefs, denen sie einfach zu stark waren. Weg waren sie, so schnell kannst du gar nicht gucken. (…) Mehr

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Dieser Artikel stammt aus der Frühjahrs-Ausgabe 01/2021: Never Give Up. Mit Mut, Hingabe und Selbstvertrauen den eigenen Weg gehen.

„Fülle ist das Ziel. Wenn ich mit Klientinnen und Klienten über Erfüllung im Beruf rede, dann fangen die Augen an zu leuchten.”

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